Suche
  • Die nächsten Termine:
  • Fr. 24. und Sa. 25. März 2017, 20:30 Uhr
Suche Menü

Die Nacht vor der Generalprobe

Die Probenzeit ist vorbei, heute Abend wird es richtig spannend: Die Generalprobe zur Herzogin von Malfi geht über die Bühne, der letzte Durchlauf mit Netz und doppeltem Boden vor der Premiere in zwei Tagen!

Viel gab es noch zu tun, die Nerven aller Beteiligten liegen blank. Doch der Adrenalinpegel liegt bei 100 %, die Motivation bei 150% oder mehr. Bis zu 17 Menschen kamen in den letzten Tagen und Nächten zusammen, um dem Publikum eine berauschende Premiere bieten zu können.

Die Arbeit an der Basis, am Textskript, wird auch nach der Premiere nicht abreißen. Alle Darsteller feilen Tag für Tag daran, Ihren Rollen noch mehr Tiefe zu verleihen. So oft man den Text auch durchkaut, finden sich doch immer wieder Nuancen, Unstimmigkeiten und Deutungsweisen, die es zu erkennen, zu reflektieren und zu memorieren gilt. Besonders wertvoll ist es für Darsteller, dies gemeinsam zu tun, nachdem sie sich im letzten Sommer mit dem Skript in´s Kämmerlein zurückgezogen hatten.

Doch nicht nur die „alten Hasen“ schlafen mit dem Textbuch unter dem Kopfkissen: Jacob Solf und Alice Nieduzak durften sich in diverse Rollen einlesen, denn sie werden in Folgeaufführungen die Stammbelegschaft vertreten: Als Malateste bzw. Julia und Cariola.

Unser Lichtdesigner Thomas Wortmann richtete akribisch mit dem Regisseur das vielfältig eingesetzte Licht ein. Ein morbides Stück lebt von der Atmosphäre, dem Zusammenspiel von Bühne, Kostüm, Musik und eben dem Licht. Im Kellertheater reizen wir deshalb die Technik bis zum Letzten aus. Hochkonzentriert wurden daher bis spät in die Nacht Stimmungen gesetzt und verworfen, ausprobiert, mit Musik unterlegt und letztlich mit der nötigen Präzision in die Licht- und Tonbücher eingetragen.

Auf der Bühne indes wurden gestern alle verfügbaren Hände gebraucht, denn das Kellertheater hat es sich nicht nehmen lassen, die Herzogin von Malfi zum Anlass zu nehmen, um brandneue Vorhänge anzuschaffen. In den frühen Morgenstunden waren dann auch alle Vorhänge, Gassnschals und Blenden gehängt, was den düsteren Gesamteindruck der Produktion noch verstärken wird.

Jedes Ensemblemitglied brachte sich in den vergangenen Tagen mit unendlichem Elan ein, wie gut er konnte: Unsere Produktionsschneiderin Vera Nießner (Silvio) wurde nicht müde, Kostümen den letzten Schliff zu geben. Produktionsasistentin Ladislava Biondi (Julia) organisierte mit großer Sorgfalt das überbordende Premierenbuffet, das einige Überraschungen zu bieten haben wird. Alex Ortner (Delio) zimmerte und malte an Bühnenteilen. Auch der goldene Rahmen, der den Mittelpunkt des Bühnenbildes bildet, wurde durch die fähige Künstlerhand Eric Lenkes, gern gesehener Gast im Kellertheater, antik aufgehübscht. Die sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzten Requisiten wurden mit Sorgfalt und Aufwand zusammengetragen, restauriert oder gar geschaffen.

Dass es bei solchem Endprobenstress zu Durchhängern kommt, ist menschlich und verständlich. Spätestens, wenn die letzte S-Bahn verpasst wurde, spürt man, wie viel einem jedes Theaterprojekt abverlangt. In unseren „authentischen“ Impressionen können Sie sich davon ein Bild machen. Immer wieder jedoch reißen wir uns zusammen und halten uns vor Augen, für was wir das alles tun: um dem Publikum eine anregende, unterhaltsame und liebevoll einstudierte Aufführung zu präsentieren. Ohne Sie, die Sie hoffentlich gern unsere Produktion besuchen oder sich gar schon einen Termin ausgesucht haben, würde es kein Theater geben. Ohne Sie hätte sich unser wunderbares Ensemble nie gefunden und wären Freundschaften nie entstanden.

In Kürze finden Sie im Blog die neuen Szenenfotos, die unsere Fotografin Anja Kühn während der Generalprobe erstellen wird. Bestaunen können Sie diese auch ab Freitag im Eingangsbereich und Foyer des Kellertheaters.

 

Kommentar verfassen