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Zum Autor

In Deutschland ist der kaum bekannt, doch zählt er zu den großen Meistern des elisabethanischen Dramas: John Webster.

Seinen Weltruhm verdankt er den beiden Tragödien Die Herzogin von Malfi und Die weiße Teufelin. Über den Privatmenschen Webster jedoch wissen wir so gut wie nichts. Einige Eckdaten seines Lebens lassen sich mühsam aus erhaltenen Dokumenten rekonstruieren. So darf angenommen werden, dass er zwischen 1570 und 1580 in London zur Welt kam. Da er Mitglied der Tuchhändlergilde war, kann man davon ausgehen, dass er dem oberen Bürgertum angehörte. Webster war hauptsächlich als Jurist tätig, auch dies lässt sich zweifelsfrei nachweisen. Auch in seinen Werken finden sich Anzeichen darauf. 1605 heiratete er eine gewisse Sara Peiniall, mit der er zumindest ein gemeinsames Kind hatte. Da in einer 1634 veröffentlichten Publikation von Webster in der Vergangenheitsform die Rede ist, muss angenommen werden, dass er vor 1634 gestorben sein muss. Belege für seinen Tod fehlen bis zum heutigen Tag.

Es ist also schwer, diesen Dramatiker einzuschätzen. Denn alle Charakterisierungen bleiben Hypothesen, die allein auf dem fußen, was Webster der Nachwelt überlassen hat. Und das ist nicht viel. Zahlreiche seiner früheren Werke, u.a. auch sein Erstling, Ceasar´s Fall von 1602, der in Zusammenarbeit mit anderen Autoren entstand, gelten als verschollen. Nur drei seiner (eigenständig verfassten) Werke sind erhalten: neben den bereits erwähnten Rachetragödien, der Herzogin und der Teufelin, eine Komödie namens Des Teufels Rechtshandel. Der Theaterkritiker Kenneth Tynan fasst Webster und dessen Werk auf treffende Weise zusammen:

„Webster glaubte nicht an Menschlichkeit. Er ist der Dichter bitterer Galle und düsteren Wahnsinns, der zärtliche Besinger eines Schlaganfalls; man erlebt geradezu, physisch, wie er´s genießt, alle seine Charaktere in einem Meer von kalten Schweiß zu ertränken. […] Ein hochgradiger Neurotiker, aufs Ganze jedoch begnadet mit dem reichsten, üppigsten Wortschatz, aus dem je ein Schriftsteller hat schöpfen können.

Man kann sich leicht ausmalen, wie ihn seine Zeitgenossen als „Dichter der Schlachthäuser“ abqualifiziert haben (…). In Websters Werk geschieht kaum je etwas, das nicht von Habsucht, Rache oder sexueller Gier getrieben wäre.

Und doch sterben seine Figuren auf das prächtigste, behaupten ihre Individualität bis zum letzten Atemzug (…). Websters Gestalten sind am meisten bei sich, wenn Dolch, Strick oder Gift am nächsten sind; man könnte sagen, seine Stücke sprühen vor Leben immer dann, wenn der Tod vor der Tür steht.“

Literatur:

  • Die Herzogin von Malfi. Dt. von Elisabeth Plessen u. Materialien zum Stück (Programmbücher des Deutschen Schauspielhauses Hamburg), Rowohl Theater-Verlag, 1985.
  • Die Herzogin von Malfi. The Duchess of Malfi. Tragödie in fünf Akten (1612). Aus dem Englischen übersetzt von Alfred Marnau. Mit einem imaginären Porträt der Herzogin von Oskar Kokoschka und zwölf Photographien der Londoner Aufführung im Jahre 1945 von Cecil Beaton, Greno Verlag Nördlingen, 1986.