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  • Fr. 24. und Sa. 25. März 2017, 20:30 Uhr
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Die Handlung

Im Folgenden finden Sie eine detaillierte Handlungsangabe der neuen deutschen Bearbeitung  von Die Herzogin von Malfi, die sich in zahlreichen Details von „üblichen“ Synopsen des Stückes unterscheidet! Den folgenden Text können Sie auch im Programmleporello nachlesen, den Sie kostenlos an der Kasse erhalten.

Prolog

Die junge Herzogin von Malfi ist in den Edelmann Antonio verliebt. Der ist von der eigensinnigen Herrscherin zwar fasziniert, liebt aber den Höfling Delio. Die Brüder der Herzogin, der Kardinal und Ferdinand, haben eine Ehe zwischen ihrer Schwester und dem Jüngling Malateste arrangiert. Die Herzogin wird vor dem versammelten Hof zur Einwilligung gezwungen – ausgerechnet von ihrem Zwillingsbruder Ferdinand, in dem sie stets ihren Beschützer sah.

Unter den Gebeten des Kardinals nötigt Ferdinand seine Schwester zum Vollzug der Ehe mit Malateste. In der Herzogin reift ein mörderischer Racheplan: an Ferdinand, dessen geheime Lust zur eigenen Schwester sie zu ahnen beginnt, an Malateste, der unschuldig in das höfische Machtspiel gezogen wurde, und an Antonio, der sie zurückwies. Unterstützt von ihrer nichtsahnenden Kammerzofe Cariola verabreicht die Herzogin ihrem frisch angetrauten Gemahl ein Gift, das ihn noch in der Hochzeitsnacht ins Grab befördert. Sie ahnt nicht, dass sowohl Antonio als auch der in den Diensten des Kardinals stehende Spitzel Bosola den Mord beobachten.

Während des Begräbnisses entstehen Gerüchte, die Herzogin habe ihren Mann ermordet. Öffentlich schuldigt man sie an. Die Herzogin indes schiebt die Tat Antonio und dieser Bosola zu. Beide Männer werden verhaftet. Antonio schickt man in die Verbannung, Bosola soll seine Strafe auf der Galeere abbüßen. Sein Hilferuf an den Kardinal bleibt unerhört, dieser bandelt lieber mit Julias an, die eine unglückliche Ehe mit Castruccio führt.

Das Schicksal spielt der Herzogin in die Hände – so meint sie jedenfalls. Nachdem sie scheinheilig mit Ferdinand den Friedhof verlassen hat, erhebt sich Malateste, von Sehnsucht und Rachedurst getrieben, aus dem Grab und spinnt fortan aus dem diesseitigen Jenseits die Fäden.

Erster Akt

Zwei Jahre später. Antonio kehrt nach Malfi zurück, denn die Sehnsucht nach Delio ist übergroß. Seinem Freund setzt er über die intrigante Hofgesellschaft ins Bild. Auch Bosola ist – als körperlich und seelisch gebrochener Mann – zurückgekehrt. Seine Liebe zu Cariola entfacht erneut – und wird erwidert!

Ferdinand stellt dem Rat seines Bruders folgend Bosola in seinen Dienst. Dieser soll die Herzogin ausspionieren, denn der durchtriebene Ferdinand ist sicher, dass der schwesterliche Schwur, sich nie mehr zu vermählen, ein hohles Versprechen ist.

Die Brüder warnen die Herzogin: Sollte sie sich hinreißen lassen, ohne Erlaubnis ihrer Brüder zu heiraten, drohe ihr der sichere Tod. Das hält sie jedoch nicht davon ab, kurz darauf ausgerechnet Antonio zu ehelichen. Dieser verspricht sich von der Zweckehe Ehre und Vermögen und willigt ein. Zudem soll sein Verhältnis zu Delio ein Geheimnis bleiben. Cariola bezeugt die gegenseitigen Schwüre, doch versteht sie ihre Herrin nicht.

Zweiter Akt

Neun Monate später. Kaum vermag die Herzogin ihre Schwangerschaft verbergen. Bosola hat längst Verdacht geschöpft und schmiedet einen trickreichen Plan: Aprikosen sollen – die Wehen einleitend – Gewissheit über den Zustand der Herrscherin bringen. Der Plan geht auf, schneller als gehofft kommt die Herzogin nach dem Genuss der Frucht nieder, so dass Antonio um sein Leben bangen muss. Delio allein vermag ihm Trost zu spenden.

Die Herzogin kann aufgrund einer Intrige unbemerkt vom Hof ihren Sohn zur Welt bringen. Antonio hat dem Kind das Horoskop gestellt, das er während eines Streits mit dem nachts umherschleichenden Bosola verliert. Als Bosola das Horoskop findet, weiß er beinahe alles. Seinem Herren Ferdinand kann er die gemachten Entdeckungen mitteilen, nur der Name des Vaters ist noch unbekannt.

Indes, weit entfernt in Rom, ist das Verhältnis zwischen dem Kardinal und Julia abgeflaut. Sich nach Liebe sehnend, die kein Mann bereit ist zu geben, gelingt es Julia nicht, sich vom Kardinal loszusagen.

Bosola hat seinem Herrn über die Vorgänge bei Hofe in Kenntnis gesetzt. Vor seinem Bruder ergeht sich Ferdinand in wüste Rachephantasien, die nur einen Inhalt haben: die Schwester soll sterben, samt Ehemann und Kind.

Dritter Akt

Für Antonio spitzt sich die Lage bei Hofe weiter zu. Gerüchte machen die Runde, auch sein geliebter Delio wahrt einen angstvollen Sicherheitsabstand.

Ferdinand, rasend vor Eifersucht, hat sich heimlich einen Schlüssel zum Schlafgemach seiner Zwillingsschwester beschafft. Dort erfährt er die ganze Wahrheit um die heimliche Ehe mit Antonio. Dies kommt der Herzogin sehr gelegen, denn ihre Rachepläne nehmen immer deutlichere Form an. Sie weiß, dass sie ihren eigenen Tod in Kauf nimmt, um Ferdinand in den Wahnsinn zu treiben. Aber auch Malateste hat Pläne mit dem zerrissenen Herzog …

Bosola schmeichelt sich bei der Herzogin ein, die dessen Machenschaften zwar durchschaut, jedoch bereitwillig seinen Vorschlägen lauscht. Antonio und ihr gemeinsamer Sohn sollen sicher außer Landes gebracht werden, jedoch nicht heimlich, sondern als getarnte Pilgerfahrt nach Loretto. Die Herzogin inszeniert vor den Hofbeamten einen Streit mit Antonio, in dessen Verlauf sie ihn aus ihrem Dienst entlässt.

Die Brüder erfahren natürlich von der falschen Pilgerfahrt und fassen den Entschluss, die Herzogin zu verbannen.

Julia, die sich im Schutze der Nacht heimlich zum Kardinal stehlen wollte, wird von ihrem Ehemann Castruccio überrascht. Dieser warnt sie eindringlich vor dem Kardinal, der zur Erfüllung seiner Ziele auch über Leichen geht. Julia soll ihren Mann nach Loretto begleiten, um vor der Welt das glückliche Paar zu spielen.

Zwei Pilger beobachten die Wallfahrt der herzoglichen Sippschaft: Nach der frommen Zeremonie entreißt der Kardinal seiner Schwester den Ehering Antonios und verbannt beide aus Ancona.

Die Herzogin, Antonio und Cariola harren in einer abgelegenen Hütte der kommenden Dinge. Bosola erscheint und überbringt ein Schreiben Ferdinands, aus dem hervorgeht, dass Antonios Tod gewünscht ist. Die Herzogin bittet ihren Mann, mit dem gemeinsamen Sohn zu fliehen. Kaum, dass er verschwunden ist, taucht Bosola erneut auf, doch diesmal begleiten ihn Soldaten, die die Herzogin gefangen nehmen.

Vierter Akt

In ihre eigenen Gemächer eingeschlossen, verfällt auch die Herzogin zusehends dem Wahnsinn. Zu stark kreisen ihre Gedanken um die bevorstehende Vollendung ihrer Pläne. Es kommt zu einem letzten unheilvollen Treffen der Zwillingsgeschwister. Die Herzogin wähnt sich als Siegerin: Ferdinand ist vollends dem Wahnsinn verfallen. Sie erkennt nicht, dass noch eine andere Macht an der Seele ihres Bruders rüttelt. Der Geist des einst stolzen Herzogs ist gebrochen – er befiehlt Bosola, die Henker in der Herzogin Schlafgemach zu senden. Auf dem Höhepunkt ihres Triumphes muss die Herzogin erkennen, dass auch mit ihr ein doppeltes Spiel gespielt wurde …

Fünfter Akt

Längst hat sich der Höllenschlund geöffnet, um alle Beteiligten in diesem blutigen Spiel zu verschlingen. Antonio klammert sich an die vage Hoffnung, die Brüder könnten ihm beim Anblick ihres Neffen verzeihen. Julia glaubt, durch Winkelzüge und Verführungskünste jeden Mann um den Finger wickeln zu können. Bosola hofft, durch eine einzige gute Tat seine Verbrechen wieder gutmachen zu können. Der Kardinal, der weiterhin die Maske des frommen Kirchenmannes aufrechterhalten will, ist der Überzeugung, sich auch dieses Mal wieder aus der Gefahr winden zu können. Ferdinand letztlich wähnt sich gar als Wolf, hoffend, im Rückzug in den Wahn von seinem Leid befreit zu sein.

Doch keine dieser Hoffnungen soll sich erfüllen. Unaufhaltsam zurren sich die Schlingen um die Hälse der verführten Menschen fest, bis ihnen allen ein letzter Todesseufzer entfährt.

Das Tor zwischen Diesseits und Jenseits ist geöffnet, hindurch kommt die Ungewissheit in die Welt. Kann ein Ende auch ein Neuanfang sein? Oder wartet dahinter nur das Nichts?

 

Titelblatt zum Stück Die Herzogin von Malfi

Titelseite der Erstausgabe